Es ging um den Klang der Sprache unserer Vorfahren. Da wir wendisch nicht mehr verstehen, bleibt uns immerhin noch der Klang. Zwei junge Frauen aus Schorbus können tatsächlich wieder wendisch, dank dem sorbischen Gymnasium. Sie waren wertvolle Helfer bei der Vorbereitung des Gottesdienstes.
„Jeder in seiner Sprache, in der Sprache des Herzens“, eine ungewöhnliche Sprach- und Klangsituation, wenn Glaubensbekenntnis und Vaterunser zweisprachig gesprochen und gehört werden. Ich fühlte dabei den Prozess des Unterganges der Muttersprache, komprimiert auf wenige Minuten.
Die wendische Predigt in Kurzversion (deutsche Langversion im Liedblatt) basierte auf 3 Sprichwörtern:
„Wie du mir, so ich dir!“
„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“
„Was dich erdrückt, was du verschuldt, das hat ein anderer erduldt!“
Wenn wir diese Weisheiten in unserem Rucksack haben, dann sind wir als Wanderer durchs Leben, durch die Zeiten, gut gerüstet. 800 Jahre Schorbus, da kommt viel zusammen. Erinnerungen, Erlebnisse und Traditionen, die wie ein Wanderstab, der an die folgenden Generationen weitergegeben wird, wirken können. So ein Stab kann aber auch Leit- und Schutzfunktionen haben, quasi ein Hirtenstab sein. In vielen Zeitungsbeiträgen unseres alten Lehrers, Christian Schwela, wird dieser Hirtenstab deutlich. In den verschiedensten Lebenssituationen erinnert er an geeignete Bibelstellen. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“, zum Beispiel. Genau das bekennt auch dieser Hirtensonntag.
Als Sprichwort oder Regel heißt es, „Wie Jesus uns, so wir auch anderen.“ Das könnte durch einen Orgel-Abschlusschoral besiegelt werden. Doch zum Hirten mit seinem Stab passen Posaunen besser. Deshalb freuen wir uns, dass der Posaunenchor Drebkau unserer Einladung folgte und diesem Sonntag eine musikalische Krone aufsetzte.