Gemeindefahrt nach Wittenberg

„Zu welcher Ortskirche gehörst du?“ - Eine Frage, die mir als „Neuling“ in der Gemeinde gelegentlich gestellt wird und die mir auch auf unserer Gemeindefahrt begegnen würde.

Am Morgen des 13.09. machte sich eine gut gelaunte, erwartungsfrohe Gruppe auf den Weg in die Lutherstadt, fürsorglich geleitet von Hans-Christoph Heimbach, von Hans-Georg mit Speis, Trank sowie mit Lied-Blättern versorgt und von Rudi sicher chauffiert.

Noch die vielen Gespräche der Fahrt im Ohr, begann unsere kleine geschichtliche Reise mit dem Besuch des Assisi Panometer. Nach dem Aufsetzen der Kopfhörer unseres Multimedia-Guides waren wir plötzlich mitten drin. Mitten in der Zeit Luthers, unter den Menschen, in ihrem Alltag. Ganz nah an der Glaubens- und Geisteskraft des Reformators und dem Feuer, welches er entfachte.

Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen wurden mit „Wir haben uns doch schon mal beim Gottesdienst gesehen.“ oder „Und woher kommen Sie?“ Kontakte geknüpft und vertieft. Eine individuell zu gestaltende Freizeit am Nachmittag öffnete Türen und Tore u.a. zum Lutherhaus, zum Cranach-Hof oder zum Melanchthonhaus. Auf meinem Weg vom Markt durch die Schlossstraße konnte ich neben zahlreichen Beschilderungen an historischen Gebäuden, welche auf berühmt gewordene Bewohner oder ebensolche Besucher der Stadt hinwiesen, auch viele vertraute Gesichter unserer Reisgruppe entdecken, die sich in den kleinen Cafés mit wohligem Genuss dem Verzehr eines Eisbechers hingaben. 

An der Schlosskirche kamen wird dann erneut zusammen, um auf unseren Stadtführer Bernhard zu treffen. Der Auszug einer Hochzeitsgesellschaft aus der bekannten Thesentür versüßte uns die Wartezeit. Schließlich begrüßte uns Luther höchst persönlich und führte uns mit Wortgewandtheit, Redelust, mit Anekdoten sowie spannendem Hintergrundwissen, aber auch mit Demut, erneut in die Zeit der Reformation und in „seine“ Stadtkirche. Mit einem Zitat, welches sowohl die für Luther typische und uns heute etwas derb erscheinen mögende Ausdrucksweise, als auch das tiefe Verständnis vom Glauben und den Menschen widerspiegelt, endete dieser herrliche Rundgang:

„Reichtum ist das geringste Ding auf Erden und das allerkleinste Geschenk, das Gott dem Menschen geben kann. Darum gibt unser Herrgott gewöhnlich Reichtum den groben Eseln, denen er sonst nichts gönnt.“

Mit gelittenen Füßen, dem einen oder anderen Durchschnaufen und einem kollektiven „Schön war’s!“ fand schließlich jeder wieder seinen Platz im Bus. Eine kleine Gaumenfreude in Form eines Glases selbstzubereiteter Marmelade von Frau Marschler für alle Teilnehmer, bildete den Abschluss des Tages.

„Zu welcher Ortskirche gehörst du?“ - Dieser Ausflug hat mich einer Antwort näher gebracht: Ich gehöre zur Gesamtkirchengemeinde Cottbus Süd, zu den Menschen, die fröhlich Lieder singen, sich mit Leidenschaft und Anteilnahme ihren Alltag erzählen, sich auf eine gemeinsame Reise wagen. Ich gehöre zu einer Kirche, die in der Tradition Martin Luthers steht und im Zweifelsfall gehöre ich immer zu Gott.

Fotos: Ev. GKG Cottbus-Süd